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Das Bewusstsein wächst: Nach der Konsolidierung werden sich wieder Opportunitäten ergeben

Dez 2020
IPH Centermanagement, ein Joint-Venture aus IPH Handelsimmobilien und IC Immobilien Gruppe, wird künftig von Marcus Eggers als Geschäftsführer geleitet.

Seit 1. Oktober verantwortet er das operative Management von bundesweit derzeit 20 Shopping-Centern. Wir sprachen mit ihm darüber, was seinen neuen Job anders macht, über ein schwieriges Jahr 2020 und warum 2021 für die Eigentümer von Shopping-Centern sogar noch entscheidender werden dürfte.

Herr Eggers, Sie waren mehr als 20 Jahre bei der ECE und zuletzt als Regional Director Nord für 17 Shopping-Center verantwortlich. Davor waren Sie Regional Director Südosteuropa und zuständig für 16 Shopping-Center in den nicht ganz leichten Märkten Türkei, Bulgarien und Griechenland. Professionell haben Sie alle Funktionen durchlaufen, alles ausprobiert und sehr viel erlebt. Was kann Sie an Ihrem neuen Job noch reizen?

Zum einen die großartige Mannschaft und zum anderen auch die Positionierung der IPH als größter unabhängiger Center-Manager gelegen. Wir besitzen keine eigenen Objekte und folgen keinen fremden Interessen. Das gibt mir die Freiheit, neue und kreative Wege im Center-Management zu gehen und ich denke, dass die Branche diese Kreativität dringend braucht. Neue Ideen lassen sich aber nur finden, wenn man unabhängig ist. Was die neue Stelle ebenfalls interessant gemacht hat, war das Team, das sich bei der IPH und besonders auch im Verbund mit BBE sehr „komplett“ anfühlt, weil es mit Namen besetzt ist, die man in der Branche einfach kennt.

Mit Ihrer Rolle sind klare Wachstumspläne verbunden. Wenn man in manche Zeitung schaut, könnte man jedoch meinen, dass Innenstädte und Shopping-Center in den Sog eines allgemeinen Einzelhandels-Pessimismus geraten sind. Wie sehen Ihre Ziele konkret aus in diesem Marktumfeld?

Shopping-Center bleiben grundsätzlich sehr attraktive Assets. Allerdings ist dieses Asset sehr anspruchsvoll geworden. Die Folge ist, dass die Gräben zwischen exzellenten und repositionierungsbedürftigen Objekten immer tiefer werden. Gerade deswegen merken wir, dass die Neugier auf uns von Investorenseite zugenommen hat. Das meinte ich eingangs mit den Besonderheiten der IPH: Wir gehen mit jedem Center in die Einzelfallbetrachtung. Es kommt immer auf den individuellen Standort, den Branchenmix vor Ort, die Differenzierung vom Wettbewerb sowie die funktionale und atmosphärische Gestaltung an. Ich sehe aber auch, dass wir unser Wachstum in den nächsten Jahren nicht nur an neu gewonnen Mandaten messen dürfen. Vielmehr müssen wir auch unsere inneren Strukturen weiter stärken. Es versteht sich eigentlich von selbst, aber grundsätzlich werden wir nur dann neue Mandate gewinnen, wenn wir „zu Hause“, also in unserem Bestand weiter exzellente Arbeit leisten. Das heißt beispielsweise, dass wir die Onboarding-Prozesse bei der Übernahme neuer Objekte weiter stärken müssen. Die Zahl der Center in unserem Management wird weiterwachsen. Dieser Entwicklung müssen wir in der Organisation Rechnung tragen, damit wir zukünftig noch flexibler unsere beste Leistung abrufen können.

Sie erwähnten gerade die Vermietung. Das ist sicherlich kein einfaches Thema, gerade in den Innenstädten.

Dass wir ein Doppelprofil aus Management- und Vermietungskompetenz mitbringen, stellt sich in diesem Jahr als besonderer Vorteil heraus. Im vergangenen Jahr hatte IPH mehr als 41.500 Quadratmeter neue Fläche vermietet, 2020 sind trotz Corona-Krise Vermietungserfolge von gut 54.950 Quadratmeter avisiert. Das kann man als Erfolg verbuchen – verglichen mit der Leere, die wir an vielen Orten mittlerweile sehen. Das bestätigt uns und unsere besondere Aufstellung in der Branche.

Nicht wenige Investoren wollen das Jahr 2020 wohl am liebsten schnell hinter sich lassen. Wie schätzen Sie die Stimmung am Investmentmarkt für 2021 ein?

Es ist klar, dass sich der Markt für Shopping-Center derzeit in einem enormen Umbruch befindet – heute noch viel schneller als vor der Pandemie. Dabei wird es aber nicht bleiben. Orte des Handels haben auf Druck schon immer mit Innovationen, also neuen Formen des Handels reagiert. Entsprechend ist von dieser Konsolidierung zu erwarten, dass Shopping-Center zwar nicht verschwinden, sich ihre Handelskonzepte aber deutlich weiterentwickeln werden müssen. Ein „Weiter-so“ mit den selben alten Rezepten wird es jedenfalls nicht geben. An dem allgemeinen Wehklagen will ich mich allerdings nicht beteiligen. Viel eher sehe ich, dass bei den Investoren gerade das Bewusstsein wächst, dass sich bedingt durch die Konsolidierung wieder Opportunitäten ergeben werden. Statt sich von der Krise treiben zu lassen, nutzen einige Investoren die Situation und setzen wichtige Weichen für die Zukunft, um nach der Pandemie umso engagierter wieder in den Markt einzusteigen.

Was würden Sie sagen, wird der wichtigste Schwerpunkt für die nächsten Jahre sein?

Einkaufszentren zu managen, das bedeutet, Millionenwerte über viele Jahre zu betreuen und aufzuwerten. Entsprechend groß ist das Vertrauen, das die Eigentümer in uns legen. Ich denke, dass wir auf die Jahre 2020 und 2021 als einen neuralgischen Moment zurückblicken werden, in dem Eigentümer schwierige Richtungsentscheidungen treffen und sich teils harte Fragen stellen mussten. Ich denke aber auch, dass die richtigen Antworten auf diese Fragen uns am ehesten zuzutrauen sind. Mein Schwerpunkt wird daher sein, sowohl der Situation als auch dem besonderen Vertrauen in uns gerecht zu werden.

Ansprechpartner

Marcus Eggers

Geschäftsführer
IPH Centermanagement GmbH