Veranstaltungsrückblick

Veranstaltungsrückblick Deutscher Handelsimmobilientag 2026

München | Okt 2026
Rund 220 Gäste diskutierten beim Deutschen Handelsimmobilientag 2026 in München über die Zukunftspotenziale von Warenhäusern, Shopping Centern und Highstreets.

Vom Teilleerstand zum Quartier der Zukunft

„Beton ist geduldig. Die Menschen sind es nicht.“ Mit diesem Gedanken gab IPH-Geschäftsführer Lars Jähnichen dem Deutschen Handelsimmobilientag 2026 eine klare Richtung.

Rund 220 Fachleute aus Handel, Immobilienwirtschaft, Finanzierung, Kommunen und Wissenschaft kamen am 27. Oktober zur ausgebuchten Konferenz im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München zusammen. Es ging um die Zukunft der Warenhäuser, Investitionen in den Bestand und neue Nutzungen, die Menschen an einen Standort bringen.

Der etablierte Münchner Handelsimmobilientag fand erstmals unter seinem neuen, bundesweiten Fokus statt: vom „MHIT“ zum „DHIT“. Die IPH Gruppe hatte in der Ankündigung gefragt: Welche Handelsimmobilien werden morgen noch funktionieren? Unter dem Motto „Stillstand war gestern. Konzepte mit Zukunft.“ standen dazu zahlreiche konkrete Praxisberichte mit Zahlen, Daten und Fakten sowie offene Diskussionen auf dem Programm.
 

Einkaufen bleibt der wichtigste Besuchsanlass

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Dieter Rebitzer (HfWU) setzte Michael Reink vom Handelsverband Deutschland den wirtschaftlichen Rahmen. Er vertrat kurzfristig den erkrankten HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Für 2026 erwartet der Verband nominal zwei Prozent mehr Einzelhandelsumsatz, real lediglich 0,5 Prozent. Der stationäre Handel stagniert preisbereinigt. Laut Deutschlandstudie Innenstadt 2026/27 bleibt das Einkaufen allerdings der wichtigste Anlass für Innenstadtbesuche.

Gastronomie, Cafés und öffentliche Räume ergänzen das Angebot, gerade für jüngere Menschen. Zugleich verändern Onlinehandel und KI-gestützte Produktsuche das Einkaufsverhalten.

Joachim Stumpf, Geschäftsführer der IPH Gruppe und BBE Holding, bezifferte mit seinem Impuls „Benkos Erben“ die Dimension des Umbruchs.

Die 83 verbliebenen Galeria-Warenhäuser vereinen etwa eine Million Quadratmeter Verkaufsfläche. Eine einfache Modernisierung für 1.000 Euro pro Quadratmeter würde eine Milliarde Euro kosten, ohne zusätzliche Besuchsanlässe zu schaffen. Nach dem von ihm mitverantworteten ZIA-Frühjahrsgutachten könnten bis 2035 zehn Millionen Quadratmeter Nonfood-Verkaufsfläche wegfallen.

Stumpf verwies zugleich auf erfolgreiche regionale Warenhäuser, deren Sortimente auf die Kunden vor Ort abgestimmt sind. Für andere Häuser kann Retail+ eine Perspektive eröffnen: Handel wird etwa mit Gastronomie, Hotel, Wohnen oder Freizeit kombiniert. Patentrezept? Fehlanzeige. Jedes Objekt braucht einen individuellen Ansatz.
 

Vom Warenhaus zum Quartiersbaustein

Zwei Münchner Projekte standen anschließend im Fokus. Florian Steinmaier von OPES berichtete über die Neupositionierung der denkmalgeschützten Alten Akademie. Geplant ist eine Verbindung von Handel, Büros und Hospitality. Der Schmuckhof soll öffentlich zugänglich werden. Er erwirtschaftet selbst keine Ladenmiete, könnte aber Menschen in das Ensemble ziehen und die Aufenthaltsqualität verbessern.

Dr. Bernd Schade von OFB erläuterte die Pläne für das ehemalige Warenhaus am Rotkreuzplatz. Ein kleinerer Handelsanteil im Erdgeschoss soll künftig mit Büro-, Hotel-, Wohn- und Freizeitnutzungen zusammenkommen. Schon bei der Planung, resümierte Schade, müssten die Anforderungen späterer Betreiber und Investoren berücksichtigt werden.

Jonathan Oskar Hirsch von Lidl Immobilien berichtete über ehemalige Warenhäuser in Berlin. Am Tempelhofer Damm eröffnete Lidl elf Monate nach einer Warenhausschließung eine Filiale und schuf einen regelmäßigen Besuchsanlass.

Am Leopoldplatz nutzt Lidl ebenfalls das Erdgeschoss eines ehemaligen Karstadt-Warenhauses. Dort kommen die Kunden überwiegend zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das vorhandene Parkhaus wird kaum genutzt. Solche Unterschiede sollten bereits die Planung der Flächen und Zugänge beeinflussen.

Im anschließenden Panel „Klasse statt Insolvenzmasse – und nun?“ diskutierten alle vier Referenten, Joachim Stumpf, Florian Steinmaier, Bernd Schade und Jonathan Oskar Hirsch, unter der Moderation von Lars Jähnichen über die Verantwortung der Eigentümer während langer Planungsphasen.

Leerstand betrifft die umliegenden Geschäfte mit. Zwischennutzungen können verhindern, dass ein Standort über Jahre an Attraktivität verliert. Der künftige Nutzungsmix muss außerdem im Alltag funktionieren: Lebensmittelmarkt und Fitnessstudio können um dieselben Parkplätze und Besuchszeiten konkurrieren.
 

Investieren trotz schwieriger Marktbedingungen

Nach der Mittagspause rückte der Investmentmarkt in den Fokus. Sandra Ludwig, Head of Retail Capital Markets EMEA bei JLL, berichtete von mehr als vier Milliarden Euro Gebotsvolumen bei rund 180 Geboten für deutsche Handelsimmobilien bis Ende August 2026.

Bei Geboten über 100 Millionen Euro kamen die Interessenten überwiegend aus dem Ausland. Lebensmittelgeankerte Fachmarktprodukte bleiben besonders gefragt.

Olaf Ley von der Eurofund Group schilderte die Entwicklung des Rhein-Ruhr-Zentrums in Mülheim an der Ruhr, das beim Kauf 2023 rund 30 Prozent Leerstand aufwies. Etwa 90 Millionen Euro investiert Eurofund in eine Neupositionierung mit Nahversorgung, Fashion, Gastronomie und Kinderangeboten.

Die Eröffnung des erneuerten Centers ist für Frühjahr 2027 geplant. Die rund 50.000 Quadratmeter große Galeria-Fläche bleibt eine gesonderte Entwicklungsaufgabe.

Im Panel „Klartext zu Kapital, Käufern und Krediten“, moderiert von Dr. Markus Trost (KPMG), erläuterte Sabine Barthauer, Vorstandsvorsitzende der DZ HYP, wie Banken solche Vorhaben beurteilen. Einstiegspreis, laufende Mieterträge, Umbaukosten und Szenarien für weitere Flächenveränderungen fließen in die Finanzierung ein. Eine komplizierte Umnutzung muss deshalb nicht von vornherein ausgeschlossen sein.

Iris Schöberl sprach als Investorin bei Columbia Threadneedle und als ZIA-Präsidentin in einer Doppelrolle über die politischen Rahmenbedingungen. Komplizierte Genehmigungen und wechselnde Anforderungen verteuern Projekte, bevor die Bauarbeiten beginnen.

„Kapital ist mobil, eine Baugenehmigung ist es nicht“, formulierte sie. Bei veränderten Kaufpreisen und Mietniveaus sieht sie neue Einstiegsmöglichkeiten, gerade an ausgewählten Highstreet-Standorten.
 

Fläche Reloaded: Geschäfte mit neuen Aufgaben

Am Nachmittag ging es um die Nutzung der Ladenflächen selbst. Dr. Johannes Berentzen, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung, stellte sieben Rollen des stationären Geschäfts vor: Transaktionsort, Showroom, Service-Hub, Community-Treffpunkt, Erlebnisort, Lernort und Logistik-Hub. Ihre Gewichtung hängt vom Konzept ab.

Wer im Discounter Frischhefe sucht, erwartet einen unkomplizierten Einkauf. Im Modegeschäft können persönliche Beratung und Empfehlungen wichtig sein. Aber Achtung: Alle sieben Rollen gleichzeitig erfüllen zu wollen, wäre ein Trugschluss! Berentzen plädierte zudem dafür, auch Zufriedenheit und Wiederbesuche zu messen.

Die weiteren Vorträge widmeten sich Gastronomie, Beauty und Gesundheit. Dennis Nerger von der Gustoso Gruppe stellte das niederländische Restaurantkonzept Zusje vor, das 2026 in Aachen seinen ersten deutschen Standort eröffnet hat. Raumgestaltung und Atmosphäre gehören dort zum gastronomischen Erlebnis.

Anna Gruhn, Head of Retail bei Flaconi, erläuterte unter dem Titel „Beauty Now“ die stationären Pläne des Onlinehändlers. Beratung und Produkterlebnisse sollen die digitale Markenwelt ergänzen. Die IPH Gruppe hat dafür eine rund 600 Quadratmeter große Fläche nahe dem Münchner Marienplatz vermittelt. Der Flagship-Store soll Ende 2026 eröffnen.

Dr. Eike Muhr von THE FLAG stellte THE WELL vor, einen Longevity Members Club in Frankfurt. Auf rund 1.000 Quadratmetern werden unter anderem medizinische Diagnostik, Training, Regeneration und Gastronomie angeboten.

Niv Benshetrit von Delta Brands berichtete über die Expansion der Körperpflege- und Duftmarke Bath & Body Works in Deutschland. Die Konzepte unterscheiden sich erheblich bei Technik, Betrieb und räumlichen Voraussetzungen. Solche individuellen Aspekte müssen bei der Vermietung unbedingt berücksichtigt werden.
 

Gespräche auch nach dem Schlusswort

Lars Jähnichen und Joachim Stumpf griffen in ihrem Schlusswort die Arbeit auf, die hinter vielen der vorgestellten Projekte liegt. Umbauten, Finanzierung und Vermietung beschäftigen Eigentümer und Partner oft über Jahre. Beim anschließenden Networking konnten die Gäste ihre Gespräche aus den Panels fortsetzen. Ein Studierenden- und Alumni-Format gehörte ebenfalls zum Programm.

Der DHIT wurde, wie schon in den Jahren zuvor, von der IPH Gruppe und der BBE Handelsberatung gemeinsam mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen sowie der IREBS der Universität Regensburg ausgerichtet. Unser Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, Gästen, Partnern und Sponsoren.

 

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Save the Date


Der nächste Deutsche Handelsimmobilientag findet am 26. Oktober 2027 statt. Merken Sie sich den Termin schon jetzt vor – wir freuen uns darauf, den Austausch mit Ihnen im kommenden Jahr fortzusetzen.

Informationen zur Veranstaltung und zu den Early-Bird-Optionen

 

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Ansprechpartner
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Franka Lange

Head of Marketing and Digitalization